„Es hat sich was geändert“ Agrarlandesrat Sepp Schwaiger

Im Rahmen der zweiten Podiumsdiskussion „Produkte aus dem alpinen Raum als Grundlage der alpinen Küche“ befragten wir den Salzburger Agrarlandesrat Sepp Schwaiger über den bisherigen Erfolg des SalzburgerLand Herkunftszertifikats, über die Zusammenarbeit mit den anderen bedeutenden Stakeholdern in Salzburg und die Perspektive in der näheren Zukunft.

Moderatorin Christina Sonntag: „Herr Landesrat Schwaiger, es gab ja bisher schon zwei Anläufe für ein ähnliches Herkunftssiegel (2001, 2009) in Salzburg – und im dritten Anlauf hat es jetzt geklappt. Warum konnte das Salzburger Land Herkunftssiegel für Handel und Gastronomie jetzt so erfolgreich durchstarten?“

Agrarlandesrat See Schwaiger: „Es hat sich etwas geändert. Nicht nur durch Corona, auch die Diskussionen über das Klima, die globalisierte Lebensmittelproduktion, die die Herkünfte und Produktionsweisen verschleiert, und der Trend zur gesunden Ernährung haben dazu beigetragen. Vor 20 oder 10 Jahren hat das Thema Lebensmittel eben weniger Menschen angesprochen als heute. Die Zeit war noch nicht reif. Der Boden für diese Entwicklung wurde vom Salzburger Agrarmarketing unter meinen Vorgängern aber schon damals gelegt. Deswegen konnten wir das SalzburgerLand Herkunftssiegel jetzt rasch entwickeln und schon Erfolge in der Zusammenarbeit vorweisen.
Für die gesamte Lebensmittelbranche ist das jetzt eine Chance für mehr Regionalität und Qualität in den Regalen und auf den Tellern. Das ist für eine kleine Volkswirtschaft wie Salzburg mit 550.000 Einwohnern und bis zu 300.000 Gästen täglich von großer Bedeutung. Die Nachfrage ist vorhanden.
Aber wenn wir uns nicht gemeinsam bemühen, wird dieser erfreuliche Trend wieder abflauen. Noch haben wir Luft nach oben und die Zahlen gehen auch nach oben. Wir müssen diesen Trend daher so verfestigen, dass es praktisch keinen Rückschritt mehr geben kann. Wir müssen alles tun, um ProduzentInnen, Manufakturen und Gastronomie an Bord zu halten. Nutzen wir die Gunst der Stunde und unseren Vorsprung. Wenn wir es nicht tun, dann tun es andere.“

Agrarlandesrat Schwaiger enthüllt mit Geschäftsführer der SalzburgerLand Tourismus Leo Bauernberger und Andreas Döllerer die Quintessenz der alpinen Küche.

Frage: „Das SalzburgerLand Herkunftssiegel wurde im Vorjahr aus der Taufe gehoben und war vom Start weg erfolgreich: Wie viele Betriebe sind dabei und wie viele kommen heuer noch dazu?“

Schwaiger: „Wir sollten da nicht zu kleinräumig denken. Salzburg und SalzburgerLand sind Begriffe, die man sich leicht vorstellen kann. „Salzburg“ kennt man auf der ganzen Welt und man bringt Positives damit in Verbindung. Bevor wir mit dem Herkunftssiegel gestartet sind, wollten wir von den SalzburgerInnen wissen, was für sie regional bedeutet. Das Ergebnis überrascht nicht. Regional ist in erster Linie Salzburg selbst, bestenfalls noch die angrenzenden Gebiete wie das Innviertel. Wir wollten aber schon auch das mit einbeziehen, was in Österreich in den letzten 18 Monaten aufgebaut worden ist.

Zu den Zahlen: Bisher haben wir 150 bäuerliche Direktvermarkter und Manufakturen als Partner gewinnen können, 50 stehen auf der Warteliste. Wir kommen mit dem Abarbeiten der Liste kaum nach. Am Jahresende könnten es bereits 200 Betriebe sein, die das SalzburgerLand Herkunftssiegel führen. 100 hatten wir uns im Vorjahr als Ziel gesetzt.

In der Gastronomie haben wir ein Jahr später angefangen und halten bei 50 zertifizierten Betrieben und 30 weiteren auf der Warteliste. Mir geht es aber nicht um Wachstum per se – im Gegenteil. Jeder neue Betrieb wird streng und penibel geprüft und muss den Standard zu 100 % erfüllen. Ein Fehler, ein schwarzes Schaf, und wir sind weit zurückgeworfen.

Was mir ein Anliegen ist, ist das Salzburger Bio-Frühstück. Wenn man jetzt hier ein Frühstück anbietet, das aussieht wie anderswo, dann drückt man dem Frühstück aber keinen Salzburger Stempel auf. Ein gutes qualitätsvolles Frühstücksangebot sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Weil wenn ein Betrieb nicht ein Frühstück mit hochwertigen Produkten bieten kann, dann lässt das für das Mittagessen und Abends auch nicht viel „Salzburg“ erwarten.

Zum Abschluss möchte ich noch auf das Jahr 2017 zurückblicken, als wir unsere Gespräche mit der SalzburgerLand Tourismus begonnen haben. Auf das, was wir gemeinsam erreicht haben, bin ich sehr stolz. Das hat auch Geld gekostet, aber das ist nun mal so. Der Landeshauptmann ist großzügig gewesen, herzlichen Dank dafür! Und ohne der Unterstützung der Salzburger Landwirtschaftskammer mit Präsidenten Quehenberger wäre das auch nicht gegangen. Vielen Dank auch an das Team der Salzburger Agrarmarketing, Günther Kronberger und Theresa Steiner, ihr leistet großartige Arbeit.

Es war mir eine große Freude heute dabei sein zu dürfen. Wir sind am richtigen Weg, da bin ich mir sicher. Wenn alle zusammenhelfen – und sogar Wien hilft – dann geht’s sicher gut!“

Weitere Infos unter:
SalzburgerLand Frühstück
SalzburgerLand Herkunftszertifikat
www.garantiert-regional.at

Fotos: Christian Leopold/SLTG

Christine Schäffer